Innenstadtkonzept

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
 
aufgrund der katastrophalen geschäftspolitischen Entwicklung der Erkelenzer Innenstadt (mehr als 30 leerstehende Geschäftslokale; Tendenz steigend) ist dringend ein Handeln von Seiten der Stadt gefordert. Die Fakten belegen, dass das seinerzeit gewählte Innenstadt- und Verkehrskonzept eher eine negative Auswirkung auf das Leben in Erkelenz hat. Ein Grundproblem ist die Parkplatzsituation in der Innenstadt.
 
Die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre hat es den Autofahrern bundesweit ermöglicht, mit dem Auto quasi bis ins Geschäft zu fahren. Der Autofahrer und damit der Kunde hat die Möglichkeit seine Einkäufe in Geschäften zu tätigen, in deren Nähe er bequem und kostenlos ohne Zeiteinschränkung parken kann. Dies ist überwiegend auf der sogenannten „grünen Wiese“ der Fall. Dementsprechend hat sich das Verhalten des einkaufenden Autofahrers geändert. Da man auf der „grünen Wiese“ quasi alles kaufen kann, zieht es den autofahrenden Kunden nicht in die Innenstadt, wo er mit passendem Kleingeld Parkscheine ziehen muss, wo er sich zeitlich eingeschränkt sieht und bei Übertretung mit zum Teil saftigen Knöllchen rechnen muss. Dies muss geändert werden. Es kann und wird natürlich nicht so sein, dass der autofahrende Kunde auch in der Innenstadt mit dem Auto quasi ins Geschäft fahren kann, aber ein verbessertes Warenangebot und erheblich mehr Parkplätze sollen ihn wieder in die Innenstadt ziehen.

Phase 1 – Parkraumsituation
Um das Parkplatzangebot im Herzen der Stadt effektiv zu erhöhen, bietet sich das Parkdeck Ostpromenade förmlich an. Mit einer Aufstockung um 2 Etagen, die durch eine Leichtbaustahlkonstruktion kostengünstig erfolgen kann, würden über 90 Parkplätze direkt im Stadtzentrum neu geschaffen. Eine Finanzierung wäre durch den Verkaufserlös der zuschussträchtigen Tiefgarage auf der H.J Gormanns Straße möglich. Weitere Parkplätze können an der Westpromenade geschaffen werden.
 
Des weiteren sollte man den Kreis Heinsberg an seine Pflichten erinnern, nämlich die für die Berufsschule an der Westpromenade ausreichenden Parkmöglichkeiten zu schaffen. Die Fahrzeuge der Berufsschüler blockieren zu den Schulzeiten die gesamten Parkplätze an der Westpromenade. Sollte der Kreis dazu nicht bereit sein, muss während der Schulzeiten eine Bewirtschaftung im Stundentakt dieser Parkplätze erfolgen. Die Politessen sollten ihre Arbeit nur auf gravierende Verstöße beschränken. Das heißt, wenn Radfahrwege blockiert, Behindertenparkplätze unrechtmäßig besetzt oder sonstige Behinderungen vorliegen. Das Parken in der Innenstadt sollte generell an Samstagen und Freitagen kostenlos bzw. verbilligt sein !
 
Kurzzeitparken (Brötchen holen, Zeitung kaufen usw.) soll in Zukunft erlaubt sein. Kontrolle kann über die Parkscheibe erfolgen. Politessen werden angehalten, Verstöße bis zu 15 Min. nicht zu ahnden.
 
Phase 2 – Verkehrsführung
Um die Innenstadt für PKW Fahrer attraktiver zu machen, muss dringend eine Änderung der Verkehrsführung herbeigeführt werden. Die PKW´s müssen von der Kölner Straße wieder die Ost- und Westpromenade erreichen können. Dabei kann das Durchfahren des sogenannten Feller-Propeller nach Einbahnstraßenregeln stattfinden. Busse sollten ganz aus der Kölner Straße verbannt werden, sodass sich die Notwendigkeit einer Bushaltestelle vor der Post erübrigt. Weiterhin sollte, wenn man den Pangel nicht wieder für Autofahrer freigeben will, die Einbahnstraßenregelung der Straße am Johannismarkt bis zum alten Rathaus aufgehoben werden, damit man den davor liegenden Parkplatz erreichen kann. Weiterhin sollte die Zufahrt der Aachener Straße in Richtung Innenstadt von der Goswinstraße (L19) wieder ermöglicht werden.

Phase 3 – Belebung der Innenstadt
Es sollten keine weiteren Genehmigungen für Geschäfte auf der grünen Wiese erteilt werden! Auch die Abwanderung kleinerer innerstädtischer Betriebe ins Gipco sollten unterbunden werden. Ein Gremium, bestehend aus Mitgliedern der Verwaltung, Ratsvertretern, Geschäftsleuten und Immobilienbesitzern (Ladenlokalvermietern) sollte gebildet werden. Aufgabe: Vermarktung der leerstehenden Geschäfte in der Innenstadt. Eine Analyse der bestehenden Geschäfte und deren vorhandene und nicht vorhandene Angebotspalette ist durchzuführen. Weiterhin ist eine Analyse der leerstehenden Geschäfte zwecks Mietpreis und Größe erforderlich. Die Erkelenzer Innenstadt braucht eine ausgewogene attraktive Palette von Einzelhandelsgeschäften. Es ist darauf zu achten, dass eine Duplizität vermieden wird. So braucht die Erkelenzer Innenstadt beispielsweise keine 10 Jeans Geschäfte oder Pizzerien. Es ist auf eine Angebotsvielfalt zu achten. So wäre es Aufgabe des oben genannten Gremiums herauszufinden, welches Fachgeschäft fehlt, welche Marktlücke in Erkelenz noch geschlossen werden muss. Dazu sind Informationsbesuche in anderen Städten im In- und nahen Ausland sicherlich hilfreich. Mit einem Konzept der wünschenswerten Geschäfte tritt man dann an Unternehmen in anderen Städten oder an Filialisten heran und bietet die leerstehenden Geschäftslokale an. Ein noch einzurichtender Fond der Stadt könnte durch einen zeitlich begrenzten Erlass bzw. durch Erleichterungen bei den Gewerbesteuern den Schritt der Geschäftsleute in die Erkelenzer Innenstadt leichter machen. Die Mietpreise für die Ladenlokale sollten natürlich individuell der Situation angepasst werden.

Phase 4 – Steigerung der Attraktivität der Innenstadt.
Eine Änderung der Geschäftszeiten ist unumgänglich. Alle Geschäfte sollten sich den modernen Erfordernissen der heutigen Zeit anpassen. Die Erkelenzer Innenstadt muss durchgehend geöffnet sein! Eine optische Aufwertung der Innenstadt ist unbedingt erforderlich. Mehr Fahnen, mehr Werbebanner, auch quer über die Straßen, und mehr Leuchtilluminationen sollten ohne bürokratische Hindernisse installiert werden können. Erkelenz muss farbenfroh zeigen, dass es lebt. Da wäre es von großem Nutzen, eine Beschallungsanlage in der Innenstadt zu installieren. Die Lautsprecher wären kostengünstig und einfach an den Laternenmasten der WLK zu montieren. Nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern generell könnte dann eine musikalische Beschallung der Innenstadt erfolgen. Diese ist natürlich auch zu Mitteilungen aller Art geeignet. Über diese Anlage können natürlich auch Bekanntmachungen der Geschäfte wie z.B. Angebote oder Sonderaktionen verkündet werden. Über diese Werbeeinlagen soll und kann die Beschallung finanziert werden. Weiterhin sollten die Geschäftsleute, unterstützt durch die Stadtverwaltung, Aktionstage durchführen. Ein Weihnachtsmarkt, der wie in Wassenberg an 2 Tagen in der gesamten Innenstadt stattfindet, ist nur ein Beispiel.
 
Für die Erkelenzer Innenstadt ist es fünf vor zwölf; deshalb beantragen wir hiermit, dieses Konzept den zuständigen Ausschüssen zuzuführen und eine Ausarbeitung einzuleiten. Gerne hören wir auch andere Vorschläge zu diesem Thema.

Erkelenz, den 04.11.2002

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